Auf Reisen gehen, das heißt, die Heimat mal für eine Weile hinter sich lassen. Bei der Flusskreuzfahrt „Weinzauber entlang der Mosel“ ist die Heimat allerdings mit an Bord. Genauer: Sie hält das Ruder in der Hand. Klaus Mansfeld ist Kapitän des Kreuzfahrtschiffes MS Alena. Der 55-Jährige stammt aus Friedrichsbrunn im Harz.

Was treibt einen Harzer auf ein Schiff auf der Mosel?
Schiffe waren immer schon mein Ding. Auch zu DDR-Zeiten wollte ich zur See fahren. Ich war oben an der Ostsee, kleine Küstenschifffahrt nannte sich das. Strahlsund, Hiddensee, Greifswalder Boden bin ich rumgefahren. Dann, nach der Wende habe ich noch zwei, drei Dinge ausprobiert. Für die große Fahrt hätte ich noch einmal studieren sollen, müssen – wie auch immer. Dafür war ich zu faul. Da bin ich einfach zur Binnenschifffahrt gegangen und habe mich vom Matrosen zum Kapitän langsam hochgearbeitet.

Wie lange sind Sie jetzt schon in der Schifffahrt unterwegs?
In der Schiffahrt habe ich mein Patent als Kapitän schon 15 Jahre. In der Binnenschifffahrt bin ich seit 20 Jahren. Fünf Jahre vorher habe ich die Kleine Binnenschaft an der Ostseeküste gemacht.

Was heißt „sich als Kapitän hochgearbeitet“? Wo haben Sie angefangen?
Als Matrose, dann Steuermann, dann macht man ein Patent für die Strecke, die man befahren will. Und dann kommt es auf den Reeder drauf an, ob er als Reeder einem Steuermann oder Patentinhaber ein Schiff anvertraut und dann ist man Kapitän.

Wo entdeckt man als Harzer, der Bergland gewohnt ist, die Liebe zum Wasser?
Naja, im Allgemeinen ist das doch immer so: Man will immer das haben, was man nicht hat. Die Leute, die in den Bergen wohnen, die wollen immer ans Wasser. Und die Leute, die am Wasser wohnen, wollen immer in die Berge. Und ich habe dann das eine mit dem anderen so ein bisschen vereinbart.

Und das passte mit der Familie?
Es ist nicht gerade familienfreundlich [lacht]. Ich war nie verheiratet, ich habe zwei Kinder. Durch den Beruf sind viele Beziehungen den Bach runtergegangen.

Wie lange fährt man als Flussfahrer auf einem Schiff? Gibt es eine Altersgrenze oder fährt man, bis man die Nase voll hat?
Eine Altersgrenze gibt es nicht. Klar, gesundheitliche Sachen sind zu beachten. Wie bei Berufskraftfahrern muss man eine jährliche Untersuchung absolvieren. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Man kann mit 70, 75 noch fahren, wenn man fit ist. Ich denke mal, dass ich das etwas länger machen werden als 65 oder 67.

Zurück zu den Wurzeln, zur Heimat: Was ist inzwischen mehr Heimat – Friedrichsbrunn oder das Schiff?
Das kann man so nicht sagen. Es zieht mich immer wieder gern nach Friedrichsbrunn. Und ich bin auch immer wieder gern auf dem Schiff. Man kann das so zusammenfassen: Ich bin immer froh, wenn ich gehen kann. Und ich bin froh, wenn ich komme.

Gilt das nur für Zuhause, oder auch für das Schiff?
Auch fürs Schiff. Unbedingt. Jetzt habe ich fast vier Wochen Dienst rum und mache drei Kreuze, wenn ich nächsten Mittwoch nach Hause gehen kann.

Wie lange ist ein Kapitän im Dienst?
Wir fahren nach einem System: vier Wochen arbeiten, zwei Wochen frei. Es gibt andere Systeme: zwei Wochen, zwei Wochen frei; vier Wochen arbeiten, vier Wochen frei. Und es gibt auch welche, die drei Monate am Stück fahren und dann einen Monat frei haben. Das ist immer unterschiedlich.

Und wie ist der Arbeitstag eines Kapitäns an Bord der MS Alena organisiert?
Jeden Tag anders. Es muss viel organisiert werden, Schiff fahren natürlich auch. Da habe ich viel Unterstützung. Beim Schifffahren achten wir darauf, dass keiner länger als sechs Stunden am Ruder ist. Und dann kommt die ganze Administration dazu und ein bisschen Repräsentation auch.

Was heißt „Repräsentation“?
Zum Beispiel mit den Gästen an der Bar schnacken. Vorstellungen und vieles mehr. Das gehört dazu.

Was sind die besten Momente auf so einem Flusskreuzfahrtschiff?
Für mich persönlich ist es wirklich die Landschaft. Und die Morgen- und Abendstunde. Wenn die Sonne aufgeht, gerade hier an der Mosel. Das liebe ich schon. Das sind meine Momente, meine blaue Stunde.