Wer Urlaub an der Mosel macht, der kommt an einer Sache kaum vorbei: dem Wein. Das gilt auch für die Reisenden der Volksstimme beim „Weinzauber entlang der Mosel“. Kilometerweit reihen sich die Rebstöcke in teils extremen Steillagen. Die Weine der Region – einem von 13 Weinbaugebieten in Deutschland – sind international bekannt. Mitgebracht haben die Handwerkskunst die Römer. Kultiviert wird sie hier seit mehreren Jahrunderten.

Weiße Trauben prägen im Sommer die Landschaft. Auch wenn am Ende – zumindest bei 20 Prozent – der Anbaufläche Rotwein entsteht. Zwar ist der weiße Riesling an der Mosel zu Hause. Vereinzelt finden sich aber auch blaue Weinbeeren. Das ist kein Fehltritt der Natur, sondern ein bewusst kultivierter Anbau. Und bis in den August fällt der nicht auf. Die blauen Trauben, sie wachsen zunächst als grüne. Erst Ende August ändert die Traubenschale die Farbe, die beim Keltern schließlich in den Wein übergeht. Dafür sorgt der Alkohol, der bei der Verarbeitung die Zellstruktur der Traubenwand zerstört.

Bis heute sind Rotweine eine Neuerscheinung an der Mosel. Wenn überhaupt, machen sie nur zehn Prozent der Anbaufläche aus. Schließlich war es bis 1985 verboten, hier rote Trauben anzubauen. Was es zu wissen gibt über den Rebsaft, seine Kultur und Geschichte, das fliegt den Gästen im Cochemer Weinkeller Hieronimi nur so um die Ohren. Ernsthaftigkeit trifft dabei in knapp anderthalb Stunden auf frechen Winzerwitz. Hoffentlich kommt am nächsten Morgen niemand auf die Idee, einen Test zu schreiben. Es ist schlicht unmöglich, die vielen Einzelheiten zu behalten.

Was hängen bleibt sind zwei Dinge: Warum Fanta kein Wein werden kann. Der Zuckergehalt – 80 Gramm Rest pro Liter – ist im Vergleich zum Traubensaft (mit 300 Gramm Restzucker pro Liter) einfach zu niedrig. Und dass die wahren Weinkeller an der Mosel nicht im Keller, sondern in den dritten und vierten Etagen der Gebäude an den Weingütern zu finden sind. Die Mosel, sie ist eine gerissene Braut. Allzu oft steht sie in den Wintermonaten auf der Straße oberhalb des Flussbettes – und damit im Gewölbekeller.

Was an diesem Abend auch noch im Gedächtnis bleibt: der Eröffnungswein der Probe. Es ist ein Elbling; vor 2000 Jahren von den Römern mitgebracht. Heute ist er fast von der Bildfläche verschwunden. Ein Schicksal, dass den Probetropfen auch an diesem Abend schnell ereilt. Er verschwindet in der Ausguss-Schale. Die übermächtige Süße und die aufkommenden Erinnerung an Heftpflaster auf der Zunge sind schuld. Wein ist eben eine Frage des persönlichen Geschmacks und dieser Vertreter seiner Zunft, er hat verspielt.

Gut, dass es nur noch besser werden kann. Denn die Weinprobe dieses Abends will den Weinberg auf der Zunge hinaufklettern. Auf der Karte: 13 Weine zur Probe. 13?! Auweia. Selbst geübte Weingenießer könnte das aus der Bahn werfen. Die Zunge kommt dann aber doch nur in den Genuss von fünf Vertretern des Rebsaftes. Die Auswahl, sie ist gedacht für die unterschiedlichen Vorlieben. Die einen mögen es eher mild – also mit hohem bis höchstem Restzuckergehalt. Andere schätzen trockene Tropfen.

Nur einer unterzieht sich an diesem Abend einem sechsten Geschmack. Das Brille tragende „Versuchskaninchen“ findet sich unter den Volksstimme-Reisenden. Eben weil es Brille trägt und auch noch schön präsent in Reichweite des Kellermeisters sitzt. Der braucht schlicht jemanden, der die Kerzenlicht-Durchlässigkeit zweier aus blauen Traubenen gewonnenen Weine im Glas in Augenschein nimmt. Na denn: Zum Wohl!

Auf zum vierten Wein des Abends. Die Runde der Gäste hat sich reichlich gelichtet. Das dem Wein in die Aromen zu schieben, wäre vermessen. Es ist eher der lange Abend, der Tribut gefordert hat.

Für Brandts aus Magdeburg kommt der Abend einem Studium gleich. Im Weinkeller gibt er bei der letzten Geschmacksrunde die Parole vor: „Ich nehme den Halbtrockenen, du den Trockenen. Dann tauschen wir uns aus.“ Am Ende dieses Abends werden sie aus dem Keller spazieren – mit einer Überraschung: Sie, die sie sonst die trockenen Weine bevorzugt, sie findet sich bei einem halbtrockenen Wein des Kellermeisters am besten aufgehoben.

 

Weinwissen & Weinweisheiten

„Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft, drum danke Gott als guter Christ, dass du kein Ochs geworden bist.“

„Säure ist das Herz eines Weines.“ Sie gibt dem vergorenen Traubensaft Herz und Charakter. „Wein ohne Säure ist Zucker mit Wasser.“

„Beim Winzer ist es wie in der Politik, da wird debattiert, lamentiert und diskutiert.“

Gemeinhin gilt: Rotwein wird bei Zimmertemperatur genossen. Gemeint sind damit allerdings nicht die heutige gängigen 20 bis 23 Grad. „Den gängigen Roten reichen 18 Grad als Trinktemperatur.“