Vom „Tatort“ Münster zum gelben Wagen

Vom „Tatort“ Münster zum gelben Wagen

„Wenn Engel reisen gibt’s gutes Wetter. Und mit Bengeln wird’s lustig.“ Das Motto, dass die Volksstimme-Reisenden an diesem zweiten Tag der Saisonabschlussfahrt 2018 ausgeben, es passt. Die Stimmung ist bestens. Das scheint auch auf das Wetter abzufärben. Denn auf dem Weg zum „Tatort: Münster“ ergreifen mehrere Täter schon früh die Flucht: die grauen Regenwolken.

Die frühe Morgensonne bringt die westfälische Landschaft zum Leuchten: Warm und einladend wirken in diesem Moment die an den Busfenstern vorbeiziehenden roten Höfe im Pferdeland. Eingerahmt von unzähligen rot-gelb-grünen Farbabstufungen des Herbstlaubes der Wälder. Es ist wie im Fernsehen. Zumal aus den Buslautsprechern leise der Big-Band-Sound von James Last zu vernehmen ist.

Und dann ist auch schon Münster erreicht. Um das zu erkennen, bedarf es tatsächlich keines Ortseingangsschildes. Radfahrer und Fahrräder, wohin das Auge blickt. Wer bislang glaubte, dass dieses Bild nur fürs Fernsehen inszeniert wurde, der wird spätestens bei der Einfahrt in die Münsteraner Innenstadt eines besseren belehrt. Münster ist eine Fahrradstadt. Das wird später auch Stadtführer Martin Wedeking bestätigten: „Auf jeden Münsteraner kommen vier Fahrräder.“ Das bestätigt der Stadtführer am eigenen Beispiel: „Ich habe ein Fahrrad zum Fahren in der Stadt, eines für längere Strecken, eines für Gäste und eines, das einfach noch da ist.“

Angesichts der unzähligen Räder in der Stadt wäre es schon stilecht, die Stadtführung auf zwei Rädern zu machen. Für die Reisegruppe der Volksstimme bleibt es dann aber doch bei den eigenen zwei Beinen. Es wäre wohl auch seltsam, mit dem Rad das Landeskunstmuseum zu durchqueren, um den Weg von dort über den samstäglichen Wochenmarkt hinein in den Münsteraner Dom zu nehmen.

Weiter geht es von dort zum Kiepenkerl, einem Münsteraner Wahrzeichen. Und wer den einmal erreicht hat, steht auch schon inmitten der Kulissen für den „Tatort“. Bewusst oder unbewusst – mancher aus der Reisegruppe sucht die Gesichter der Menschen drum herum ab. Ob irgendwo Axel Prahl oder Jan-Josef Liefers zu sehen sind? Am Ende bleibt es bei Bildern der Schauspieler. Immerhin aber sind die Reisenden später reicher an Wissen hinter den „Tatort“-Kulissen. Denn tatsächlich ist Münster nicht mehr als ein Rahmen. „Gedreht wird das Meiste in und um Köln. Nur Schlüsselszenen selbst werden in Münster aufgezeichnet“, verrät Stadtführer Martin. Es wäre viel zu teuer, in der Fahrradstadt immer wieder das Umfeld abzusperren, damit die kriminalistischen Inszenierungen produziert werden können.

Zum Ende dieser Führung durch die geschichtsträchtige Stadt nimmt mancher Reisegast aber noch ein Indiz mit: Münster muss unbedingt noch einmal Tatort werden – für einen weiteren Besuch. Münster in etwas mehr als einer Stunde kennenlernen? Wer das glaubt, hat noch nie „Tatort“ geschaut: Es braucht viel mehr Zeit, um alle Indizien dieser Stadt zu ermitteln. Verzeihung: Natürlich ist gemeint, die Stadt in ihrer unglaublichen Vielfalt wirklich zu erfassen und zu erleben.

Für heute aber geht es weiter nach Warendorf – zum nordrhein-westfälischen Landesgestüt. Um zu ergründen, was dieses Land ausmacht: die Pferdezucht. Überhaupt Pferde: Auf deren Spuren sind die Reisenden an diesem Tag noch ein weiteres Mal unterwegs. Nein, niemand muss den Rücken eines Reittieres erklimmen. Es geht viel bequemer vonstatten – hoch auf dem Wagen.

 

Er ist zwar nicht gelb dieser Planwagen, sondern gehalten in den Landesfarben Nordrhein-Westfalens. Besungen wird der gelbe Wagen aber dennoch. Und andere Lieder erklingen, begleitet von der Musik aus der Quetschkommode. Gezogen von rheinisch-deutschen Kaltblütern. Eine Rasse, die beinahe aus der deutschen Pferderassenkultur verschwunden wäre. Die aber vom Kaltbluthof Knoche in Oelde wieder etabliert wurden.

Und genau diese Kaltblüter sind es, die die Reisenden aus Sachsen-Anhalt durch das schöne Münsterland fahren. Es ist urig-gemütlich an diesem Sonnabendnachmittag, wenn auch ein wenig kühl. Trotz Sonnenschein trägt die Herbstluft bereits eisige Züge in sich. Der Winter naht. Damit der aber nicht längerfristige Spuren bei den Reisenden hinterlässt, geht es alsbald weiter zu wärmendem Kaffee und leckeren Kuchen. Die Westfalen sind bekannt für ihre Backtradition.

Kuchen und Kaffee – Gemütlichkeit gehört bei den Volksstimme-Reisen dazu. Foto: Mandy Hannemann

Ein langer Tag, mit unzähligen Eindrücken, neuen Erfahrungen und spannenden Informationen neigt sich dem Ende. Zeit am Kissen zu horchen? Von wegen. Vorbei ist dieser Tag noch lange nicht. Denn am Abend ist Tanz angesagt. Und da dreht so mancher Volksstimme-Reisende noch mal richtig auf und legt eine kesse Sohle aufs Parkett.