Suomeen – Auf nach Finnland

Suomeen – Auf nach Finnland

Sonne, Strand und warmes Meer? Für die meisten ist das die Vorstellung von Urlaub schlechthin. Aber ist das alles, was Urlaub sein kann?

Von Mandy Hannemann

Mal etwas ganz anderes ausprobieren, Urlaub neu entdecken – ein bisschen abenteuerlich unterwegs sein … Also auf zum krassen Gegensatz. Auf nach Finnland, wo jetzt – Mitte März – noch Winter herrscht. Mit Schnee. Mit Kälte. Anders als der milde mitteleuropäische Winter, der uns in diesem Jahr schon Anfang März milde 18 Grad beschert hat.

Die Aussichten lassen frösteln: minus 11 Grad sind für den Zwischenstopp in Helsinki vorhergesagt. Foto: Mandy Hannemann

Der Start in den Urlaub, am Berliner Flughafen Tegel beginnt er trübe und grau mit Temperaturen knapp über null Grad. Die Aussichten – sie sind besser. Verheißen Sonnenschein am Flugziel Kajaani in Finnland, von wo es weitergehen wird nach Vuokatti: Zehn Stunden Sonnenschein vermeldet die Wetter-App, mit Temperaturen um die minus 6 Grad. Mit Zwischenstopp in Helsinki bei dortigen minus 11 Grad. Da frösteln die Gedanken: kalte Füße, bibbern im Wintermantel. Das gehört eben dazu, wenn man gewohnte Urlaubsmuster durchbricht. Die Spannung steigt.

Gut 1120 Kilometer Luftlinie sind bis Helsinki zu überwinden. In nicht einmal zwei Stunden Flugzeit. Eine Bahnfahrt nach Hamburg aus Magdeburg dauert länger, fühlt sich aber kaum anders an. Es brummt in gleichmäßigem Rhythmus, die Lüftung im Flugzeug rauscht, ab und zu wackelt es. Der einzige Unterschied zur Zugfahrt: Wenn der Flieger auf der Startbahn Fahrt aufnimmt, beim Abheben, wird man in den Sitz gepresst. Einen Augenblick lang. Mehr nicht.

Flugzeug der Airline Finnair
Da steht er, der Flieger nach Finnland. Nicht einmal zwei Stunden dauert der Flug bis Helsinki. Foto: Mandy Hannemann

 
Eintauchen in den Urlaub. Und endlich wieder scheint die Sonne. Über den Wolken, natürlich. Auf nach Finnland. Mögen die Bord-Bildschirme auch Skifahrer und Snowboarder auf verschneiten Schneegipfeln zeigen, die Vorstellung von Schnee und Kälte scheint in diesem Moment unwirklich.

Allzu viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt nicht. Der erste Flugabschnitt ist schnell geschafft. Kurz nach zwölf Uhr Ortszeit – einschließlich Zeitverschiebung – landet der Airbus A380. Der Flughafen Helsinki wirkt nicht wie ein Flughafen. Nicht laut, keine Hektik, keine Enge. Wie ein Messegelände am Fachbesuchertag. Abgesehen von den Gates, herrscht weitgehend Lounge-Charakter. 

Lounge in einem Flughafen-Restaurant in Helsinki
Warten am Flughafen. In Helsinki funktioniert das ganz entspannt. Weitgehend herrscht hier Lounge-Charakter. Foto: Mandy Hannemann

Es bleiben ein paar Stunden Zeit bis zum Weiterflug nach Kajaani, der Hauptstadt der Region Kainuu in der Mitte Finnlands. Gemessen an der Einwohnerzahl – nicht einmal 40.000 Menschen leben hier – eine Kleinstadt. Von dort geht es weiter nach Vuokatti – wo die finnische Seenregion und Lappland – so heißt es in den Beschreibungen – aufeinander treffen. Es soll das beste Skilanglaufgebiet Finnlands sein. Immerhin trainieren hier internationale Sportmannschaften. Die Region ist touristisch geprägt, aber ohne Massentourismus. Eine Region, die sich zu entdecken lohnt. Meint Reisebegleiterin Tanja, die im Sommer hier schon zu Besuch war. Sie ist gespannt, wie es hier im Winter aussieht. Ich auch. Bis es soweit ist, sind noch einmal knapp 560 Kilometer zu überwinden. Per Flugzeug, versteht sich.

Flugzeug der Nordic Regional Airlines
Mit den Nordic Regional Airlines geht es von Helsinki nach Kajaani. Foto: Mandy Hannemann

Der Weiterflug von Helsinki, in der gerade einmal 68 Sitze bietenden Maschine der Nordic Regional Airlines, fällt deutlich lauter aus. Beim Start verschluckt das Brummen an Bord jedes Gespräch. Dafür eröffnet sich ein Blick auf Helsinki aus der Vogelperspektive. Eine weiß-graue, trübe Winterlandschaft. Dann: nichts. Das Flugzeug taucht ein in die Wolkendecke und kurz darauf aus ihr wieder auf. Unter uns ein Wattemeer mit Lücken, die ab und zu einen Blick auf die finnische Landschaft freigeben. Auf Schnee. Auf Wald. Und auf Orte, die aus der Luft betrachtet so dicht beieinander liegen und am Boden doch viel weiter entfernt sind. 

 
Eine halbe Flugstunde später, die Wolkendecke ist nur noch am Horizont zu sehen, geht der Blick aus der Luft auf Finnlands Seenlandschaft. Gefroren und weiß im strahlenden Sonnenschein. Ein herrlicher Anblick. Einer, den die Öfterflieger auf den übrigen Plätzen kaum mehr beachten. Wie in Zeitlupe bewegt sich die Landschaft dort unten, auch wenn die Bewegung eigentlich hier oben stattfindet. Langsam und schnell zugleich vergeht die Zeit. Davon künden die im Sonnenlicht länger werdenden Schatten der finnischen Landschaft. Kajaani ist fast erreicht. Das lässt zumindest die Bord-Durchsage vermuten, die im Lärm des Flugzeugs untergeht.

 
Kalte, klare, trockene Luft empfängt mich nach der Landung. Die Minusgrade sind willkommen erfrischend nach der Wärme im Flugzeug. Treffen mit Marcus, dem Tour-Guide für die nächsten Tage. Und – mal wieder – ist die Heimat vor Ort. Marcus stammt ursprünglich aus Halle (Saale), verlebt die Wintersaison von Anfang Dezember bis Ende März in Finnland. Den Sommer verbringt er in Zürich.

Das Wetter passt. Die Sonne schickt noch letzte Strahlen herab auf dem Weg zum Haapala BnB. Jetzt, im März, ist eine tolle Reisezeit für Finnland-Anfänger: Es ist nicht zu kalt, die Tage werden auch hier im Norden schon deutlich länger. Man hat etwas vom Tag. Nur ein Wermutstropfen: Dicke Schneemützen tragen die Bäume der Wälder nicht mehr. Zu kraftvoll ist die Sonne bereits.

Mit dem Kleinbus geht es in die finnische „Wildnis“. Marcus erzählt von Bären – rund 1500 Tiere zählt der Bestand in Finnland -, Wölfen, Füchsen, die hier heimisch sind. Vorbei an der Papierfabrik, die Zeitungspapier hergestellt hat, bis sie im vergangenen Jahr geschlossen wurde. IT und Landwirtschaft sind die Arbeitgeber in der Region Kainuu. Hier wachsen Hafer, Kartoffeln und Karotten. Auch wenn gute Tausend Kilometer sie trennen, Kainuu und die heimatliche Börde – ein bisschen ähnlich sind sie sich schon. Nur das Autofahren geht hier im Winter munter voran. Wo zu Hause bei drei Schneeflocken der Verkehr fast stehen bleibt, ist hier Tempo angesagt. Reifen mit Spikes sind der Schlüssel zum Geheimnis. Nicht ganz so toll für die Straße, besser jedoch als Schneeketten. Aber die sind „in Finnland ohnehin nicht zugelassen“, sagt Marcus.

See bei Vuokatti
Ankommen in Vuokatti heißt von herrlicher Winterlandschaft willkommen geheißen zu werden. Foto: Mandy Hannemann

Auf nach Vuokatti, das Ziel. Die Region lebt auch vom Tourismus. Vor allem von aktiven Gästen: 13 Pisten, neun Liftanlagen – und für Wintersportprofis eine Art zweite Heimat. Was Tanja schon erwähnte, bestätigt nun auch Marcus: Die chinesische Mannschaft trainiert hier Wintersport. „Das russische Team war Anfang Januar hier. Und auch die Kasachen waren da.“ Langlauf, Snowboard, Ski – die Bedingungen sind bestens. Morgen bietet sich Gelegenheit, das selbst auszuprobieren. 

Überhaupt, morgen. „Wer hat Lust auf Schwimmen im See? Da könnten wir eine ‚Baywatch‘-Szene nachstellen“, witzelt Marcus während der Fahrt. Aber nicht im Badeanzug, sondern im Trockenanzug. Kneifen gilt nicht. Das gehört zum Abenteuer. Warm sollen die Dinger sein. „Ein paar Tropfen kaltes Wasser können dennoch in den Anzug geraten. Am besten Wechselsachen einpacken.“ Na, wenn das mal gut geht …

Das Programm ist stramm: Snowmobil-Safari, Besuch im Snowboard-Tunnel, Ski fahren, Husky-Tour, Eisfischen … Finnland hat in Sachen Urlaub mit Erlebnisfaktor viel zu bieten.

Gästehäuser des Haapala BnB
Die neuen Gästezimmer des Hapalla BnB sind kleine Holzhäuschen, erst 2018 erbaut.

Erst einmal aber heißt es: „Angekommen.“ Angekommen im Haapala BnB, einem kleinen Hotel in einem Ort mit langer Geschichte, erfüllt von jungem Geist. Hier geht es nicht anonym zu. Es ist ein Familienunternehmen – mit Restaurant, eigener Brauerei und zehn Gästezimmern, einige im gut 100 Jahre alten Haupthaus und kleinen Zimmer-Häuschen, die erst im vergangenen Jahr neu gebaut wurden. Nordisch schlicht, klar, einfach. Kein Schnickschnack. Es riecht angenehm nach Holz. Und es ist still. Genau das, was im Alltagslärm der vergangenen Wochen so oft nur Wunsch blieb. Endlich mal Ruhe haben, runterfahren. 

Restaurant am Haapala BnB
Das Hapaala BnB war einst ein landwirtschaftlicher Betrieb. Heute ist darin unter anderem ein Restaurant untergebracht. Foto: Mandy Hannemann

Das alte Haus des Haapala BnB war schon vieles: Poststation, Schule, Pfarrhaus, landwirtschaftlicher Betrieb und mehr. Das verrät Craig Tyler, dessen Frau führt den Betrieb. Sein Schwerpunkt ist die Mikrobrauerei, in der Biere geschaffen werden. „Geschaffen“ – ja das passt. Mit Liebe und mit Begeisterung erklärt Craig Tyler die Arbeit in seinem kleinen Brauerbetrieb, den er – das muss sein – selber auch putzt; vom Bier, das lebt, sich immer wieder verändert, während des Brauprozesses und noch immer, wenn es bereits in Flaschen abgefüllt wird.

Und auch das Produktdesign macht Craig selbst. Alles passiert hier, vom Anfang bis zum Ende. Egal, ob es das Bier ist, das gute Essen oder die Unterkunft. Es ist die Lebensgrundlage der Familie. Nah dran, mittendrin, authentisch. Gerade Letzteres ist wichtig: Deshalb steckt so viel Einheimisches in allem – von den Zutaten im Bier, vom Getreide bis zu den Pinientrieben und dem Holzteer, die Charakter und Aroma verleihen, bis hin zu den Hölzern im Restaurant, das erst 2018 eröffnet wurde. In allem steckt Herz und Tatkraft. 

 

Die Reise wurde ermöglicht durch unseren Partner Vianova GmbH.